Junge Zugewanderte in Nordrhein-Westfalen, die selbstbewusst ihren Weg gehen, motiviert, bestens qualifiziert und beruflich erfolgreich sind: Die Gruppe „Potenziale“ zeigt, wie erfolgreiche Integration aussehen kann. Die Mitglieder haben verschiedene Nationalitäten und Berufe. Einige stehen noch am Anfang ihrer Ausbildung. Andere haben bereits eine Hochschule besucht oder ihre duale Berufsausbildung abgeschlossen. Sie arbeiten in der Industrie und im Handel, im öffentlichen Dienst, im Handwerk und im Dienstleistungssektor. Einige haben sich selbstständig gemacht und schaffen Arbeitsplätze für deutsche und ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die meisten kommen aus Städten und Kreisen in Nordrhein-Westfalen, in denen es Regionale Arbeitsstellen zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien gibt. Auf Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen und der Hauptstelle RAA Nordrhein- Westfalen haben sie sich zur Gruppe „Potenziale“ zusammengeschlossen.
„Diese jungen Menschen übernehmen bewusst eine Vorbildfunktion für andere Zugewanderte“, erklärt Brigitte Rimbach, Referentin bei der Hauptstelle RAA in Essen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Dr. Walid Hafezi bearbeitet sie den Schwerpunkt „berufliche Integration“ und koordiniert dabei auch die ehrenamtliche Arbeit der „Potenziale“-Mitglieder. In 27 nordrhein-westfälischen Kommunen haben die RAA inzwischen ein Netzwerk mit Bildungs- und Qualifizierungsträgern sowie Wirtschaftsorganisationen und Unternehmen geknüpft, um die berufliche Integration junger Zugewanderter voranzubringen. Auch die Mitglieder der Gruppe „Potenziale“ haben sich in dieses Netzwerk eingebunden und unterstützen die RAA seit dem Jahr 2000 in ihrer Projektarbeit. Sie informieren junge Zugewanderte und deren Familien über ihren beruflichen Werdegang und geben Tipps für den Start ins Erwerbsleben. „So lernen die jungen Menschen glaubwürdige Vorbilder kennen, die ähnliche Start bedingungen hatten wie sie selbst und heute echte Leistungsträger sind“, meint Brigitte Rimbach.
„Die „Potenziale“-Mitglieder sind beste Beispiele für erfolgreiche Integration. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass viele Unternehmen die Potenziale junger Zugewanderter noch nicht ausreichend erkannt haben“, betont Dr. Hafezi. Statistisch gesehen ist die berufliche Integration junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte seit Mitte der 1990er-Jahre sogar rückläufig. Ihr Anteil an der Ausbildungsbeteiligungsquote sank in den vergangenen zehn Jahren von 34 auf 25 Prozent. „Dabei sind diese jungen Menschen für die Unternehmen schon allein deshalb wichtig, um langfristig einem Fachkräftemangel vorzubeugen und der demografischen Entwicklung entgegenzuwirken“, sagt der Sozialwissenschaftler. Ihre interkulturellen Kompetenzen, ihre Zweisprachigkeit und ihre Vertraut heit mit einer anderen Kultur sind ein Plus, das die jungen Menschen bewusst einbringen können und das von den Betrieben genutzt und gefördert werden sollte. „Eine erfolgreiche Ökonomie lebt von unterschiedlichen Menschen und ihren Ideen“, unterstreicht Dr. Hafezi. Die Sprachfähigkeiten junger Zugewanderter bringen beispielsweise nicht nur in internationalen Berufs feldern Vorteile, sondern lassen sich auch im Bankgewerbe, im Einzelhandel oder in Arztpraxen sinnvoll einsetzen. „Fachkräfte mit Zuwanderungsgeschichte helfen bei der sprachlichen Verständigung mit ausländischen Kunden oder Patienten und sie können, je nach Kundengruppe, adäquat Vertrauen herstellen“, betont Dr. Hafezi.